Selbstwert - Februar 2016 - Leben–Natur–Raum

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„Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist die schönste im ganzen Land?“

Jeder kennt diesen Spruch aus dem Grimm'schen Märchen Schneewittchen. Wir haben zwar keinen Zauberspiegel, der uns diese Frage beantwortet, doch unsere Mitmenschen sind unsere Spiegel. Mit ihnen vergleichen wir uns und finden allerlei mangelhaftes, kritisches und nicht zufrieden stellendes an uns. Immer gibt es andere, die anscheinend besser, schöner, erfolgreicher oder sonst was sind. Warum tun wir das?

Bleiben wir bei dem Märchen, bzw. bei der dort thematisierten Schönheit, dann können wir fragen: Was ist eigentlich Schönheit? Christian Morgenstern sagte so treffend: „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.“ Und ich möchte ergänzen: „Schönheit kommt von innen.“

Betrachten wir dies näher, zeigen sich uns verschiedene Perspektiven. Dabei geht es nicht nur um Schönheit, sondern im weitesten Sinn um alle unsere Eigenschaften.

Wenn ich in den Spiegel schaue, stellt sich zuerst die Frage: wie sehe ich mich selbst? Kann ich mich wirklich annehmen so wie ich bin, mit allen hellen und dunklen Seiten meiner selbst? Alles was wir an uns selbst auszusetzen haben, zeigt wo es uns an Liebe mangelt, an Liebe zu uns selbst, an Selbstliebe. Es ist bekannt, dass jeder Mensch (und jedes Wesen) einmalig und einzigartig ist. Mich gibt es kein zweites Mal und ich möchte sogar behaupten, dass ich selbst in einem früheren Leben (wenn man annimmt, solches ist möglich) jeweils ein anderer war. Wenn wir begreifen, was diese Einmaligkeit bedeutet, dann wird jeder Vergleich mit anderen sinnlos, wir beginnen unseren Wert zu sehen, unseren Selbstwert. Jedes Wesen in dieser Welt trägt seinen Teil zur Schönheit der Welt bei. Tief in unserem Herzen wissen wir das … hat nicht die Liebe ihren Platz im Herzen?

Dem Herzen entspringt ein starker Lebensimpuls, das ist die Liebe zum Leben und zu unserem Sein. Warum ist es dann oft so schwer, auf die Stimme unseres Herzens zu hören? Warum wenden wir nicht einfach den Blick vom angesprochenen Spiegel zu unserem Herzen und lauschen?

Eine andere Perspektive ist die Frage: Wie sehen mich die anderen? Wir meinen, wenn wir nur kritisch und „mit Distanz“ in den Spiegel schauen, könnten wir uns quasi mit den Augen der anderen sehen. Doch das ist eine Illusion. Wir sehen uns immer mit unseren eigenen Augen, und die sind von unseren Vorstellungen und Maßstäben geprägt. Doch wenn wir die Frage etwas verändern, öffnet sich ein kleines Fenster: Wie sehe ich die anderen? Oh ja, ich sehe sofort, was mir nicht gefällt, sehe die Schwächen und die Unzulänglichkeiten. Und bei manchen sehe ich auch, was mir gefällt, was ich toll und erstrebenswert finde, hier empfinde ich Sympathie mit diesen Menschen. Worin liegt der Unterschied? Richtig, bei den zweiten betrachte ich mit Liebe, mit der Liebe, die kongruent mit meinen Vorstellungen ist. Genau in der gleichen Weise sehen mich die anderen, mit Wohlwollen oder Ablehnung entsprechend ihren Werten.

Es ist nicht so schwer das anzunehmen, was mir zusagt und gefällt. Schwieriger fällt uns das anzunehmen, was nicht in unser Wertesystem passt. Umgekehrt finden die Dinge, die wir an uns ablehnen leichter in unser Selbstbild, als das was uns auszeichnet. „Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.“ (Marianne Williamson, Nelson Mandela) Eine kleine Hilfe mag sein, wenn wir uns wieder bewusst werden, dass jeder Mensch immer nach seiner besten Möglichkeit handelt. Mit meinem Blick auf andere, mache ich mir ein Bild von ihnen, es bildet sich meine Vorstellung von ihnen. Doch das ist etwas ganz anderes als eben dieser betrachtete Mensch! Daraus folgt, auch die anderen machen sich ein Bild von mir – ihren Vorstellungen und Werten entsprechend. Und da kein Mensch dem anderen gleicht, macht sich auch jeder ein anderes Bild von mir … welches passt denn da? - Keines!

Und doch ist dieses sich gegenseitig sehen etwas sehr Wertvolles, denn unsere Mitmenschen sind uns Spiegel, sind quasi jener Zauberspiegel der Königin: „Spieglein, Spieglein ...“ Was wir an den anderen ablehnen, zeigt uns, welche Seiten wir von uns selbst nicht annehmen können. (Manchmal auch mit Umwegen …) Doch auch umgekehrt, was wir an anderen schön finden ist auch unsere Qualität. Deshalb ist unser Partner, unsere Partnerin der klarste Spiegel für uns, einmal weil wir uns sehr nahe sind und uns hier am wenigsten verstecken müssen. Und andererseits weil wir diesem Menschen in Liebe zugetan sind, im schönsten Fall mit unserer Herzensliebe. Lieben wir wirklich einen anderen Menschen, ist dies eben die Liebe in unserem Herzen, zu allem, zu uns selbst, zum Leben, zur Welt … und werden wir geliebt, ist uns dies die größte Hilfe

uns selbst so anzunehmen und zu lieben, wie wir sind. Wenn ich anfangs sagte „Schönheit kommt von innen“, dann meint es dies: wir können uns annehmen und lieben, das macht uns zufrieden, zuversichtlich und oft auch glücklich und das strahlen wir aus, das macht uns anziehend. Goethe sagt dies so schön: „Glücklich allein ist die Seele, die liebt.“

In den Aufstellungen wird bei mir fast immer das „Selbst“ mit aufgestellt. Das Selbst ist unsere innere Weisheit, unsere Intuition, die Stimme unseres Herzens. Es ist immer für uns da, wenn wir es zulassen können. Die Selbst-Integration oder -Annahme ist die Basis für ein starkes Selbst-Wertgefühl und für die Selbst-Liebe.

 

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