Spuren - Juni 2016  - Leben–Natur–Raum

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Jedes Leben hinterlässt Spuren. Taucht ein neues Leben in dieser Welt auf, verändert es alles was vorher war. Manchmal mögen wir denken, dass es für uns keine Bedeutung hat, wenn z.B. in Indien ein Kind geboren wird. Doch ich meine, dass wir das nicht wissen können, nur weil wir dessen feine Spuren (noch) nicht wahrnehmen. Vielleicht ist dieses Kind später Teepflückerin und erntet den Tee, den wir hier genießen? Auf der Welt ist alles miteinander verbunden, alles hinterlässt Spuren. Deutliche Spuren, die uns direkt betreffen und unsichtbare, die nur mittelbaren Einfluss auf uns haben. Ich habe irgendwann, irgendwo gelesen, dass es maximal nur sieben Menschen bedarf, um jeden beliebigen Menschen auf der Erde kennen zu lernen. Sieben Menschen sind nicht viele, also ist das Netz doch recht engmaschig geknüpft.

 

Und manches Mal erleben wir es wie ein Wunder, dass wir einen Menschen treffen, mit dem uns eine tiefe Liebe verbindet. Die Situationen in denen dies geschieht sind oft sehr merkwürdig und man fragt sich: wenn ich aber nicht dorthin gegangen wäre, wenn ich mich nicht so entschieden hätte, etwas zu tun oder zu lassen, dann wäre mir dieser Mensch nicht begegnet … oder doch? Ist es unsere Seele, sind unsere Seelen, die uns führen, oder Gott?

 

Vertrauen scheint mir hier die Qualität zu sein, die Stärke und Ressource, die uns viele Türen zu unserem Glück öffnet. Gott-Vertrauen, d.h. das eigene Leben annehmen, ja lieben, wie es ist. Uns öffnen für all die Chancen und Möglichkeiten, die uns jeden Tag begegnen. Auch die vordergründig schlimmen Ereignisse bergen in sich eine Chance, die wir leider allzu oft erst sehr viel später begreifen.

 

Vor diesem Hintergrund wird uns auch bewusst, dass jede Handlung, jedes Verhalten, ja sogar jede unserer Empfindungen und Gedanken Spuren hinterlässt. Wenn ich z.B. mit einer ablehnenden Haltung – und diese kann ganz einfach so meinem gegenwärtigen Gemütszustand entspringen – in einen Laden gehe, wird die Verkäuferin dies spüren. Sie wird vielleicht verletzt sein, dass ich sie ablehne, oder sich denken: rutsch mir doch den Buckel runter! Das wiederum stößt mir wieder schlecht auf und ich sehe meine Ablehnung bestätigt. Doch ich begegne mir selbst im anderen, wie in einem Spiegel.

 

Da fällt mir wieder Meister Eckehart ein: „Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst. Solange du einen einzigen Menschen weniger lieb hast als dich selbst, so hast du dich selbst nie wahrhaft lieb gewonnen, - wenn du nicht alle Menschen so lieb hast wie dich selbst, in einem Menschen alle Menschen: und dieser Mensch ist Gott und Mensch.“ … und ich möchte ergänzen, wenn du dich selbst wirklich lieb hast, wirst du geliebt … und häufig brauchen wir die Liebe eines anderen, um zu erkennen, dass wir selbst liebenswert sind, der andere spiegelt uns die Tiefe unserer Seele. Ja, ich denke, es ist das natürlichste, dass wir uns selbst lieben, zumindest in der Tiefe unserer Seele. Dort wo es anders scheint, sind es oft Hilferufe, ist es die Verzweiflung, weil wir keinen Platz auf dieser Welt finden, wo wir angenommen und geliebt sind. Doch diesen Platz geben wir uns selbst, er kommt nicht von Außen. Wir orientieren uns immer am Außen, an den Erwartungen und Forderungen der anderen, an den gesellschaftlichen Werten und (Vor-)Urteilen, an der Kultur, in der wir aufwachsen und leben. Und die Spuren, die lieblosen und die liebevollen, die wir in der Welt hinterlassen, sind letztlich Spuren in unserer eigenen Seele.

 

Albert Schweizer schrieb: „ Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“ Am liebsten würde ich den letzten Teil des Zitats streichen, das „wenn wir gehen“. Ist es nicht das Wichtigste im Leben, in jedem Moment Spuren der Liebe zu hinterlassen? Ich meine, unser ganzes Sein sollte von Liebe getragen sein. Gewiss, dies ist wohl ein Ideal, welches uns nicht so einfach ist. Doch wenn wir uns dahin auf den Weg machen, bieten sich uns viele Chancen.

 

Wenn uns bewusst ist, dass das Einzige, was wir verändern können, wir selbst sind, dann ist es der erste Schritt, dass wir lernen uns selbst anzunehmen und zu lieben, wie wir sind … und das ändert die Welt und hinterlässt Spuren der Liebe!

 

 

 

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