Innen & Außen - Juli 2016 - Leben–Natur–Raum

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"Wie oben, so unten. Wie innen, so außen."

heißt eine uralte Weisheit. Dieses Innen und Außen begegnet uns täglich. Bei den "positiven" Erlebnissen fällt es uns meist garnicht mehr auf, doch haben wir irgend einen Ärger, fragen wir, warum uns soetwas passieren muss. Wir werden z.B. vom Chef zurecht gewiesen und sind verletzt, weil er nicht versteht, dass unser Handeln Gutes im Sinn hatte oder dass er nicht unser Engagement, unsere Fähigkeiten und Erfolge wahrnimmt, sondern "immer nur" die Fehler.

 

Entsprechend dem alten Weisheitsspruch sind Innen und Außen zwei Perspektiven auf die gleiche Sache. Was uns im Außen begegnet ist ein Bild unseres Inneren, oder anders herum, was sich in unserem Inneren abspeilt, begegnet uns auch im Außen. Wie ist das zu verstehen?

 

Ich hatte schon öfter darauf hingewiesen, wie unsere Wahrnehmung selektiert. Von dem, was um uns herum passiert, nehmen wir nur einen Bruchteil wahr. Vieles entgeht uns, weil wir es nicht kennen bzw. es nicht in unseren Rahmen des Möglichen passt. Dabei muss ich immer an die Elfenbeauftrage Erla Stefánsdóttir im Bauamt von Reykjavík in Island denken, die diese Aufgabe hat, weil Elfen, Trolle und das ganze Huldufólk für den großen Teil der Isländer eiune Selbstverständlichkeit ist. Hinzu kommt, dass wir vornehmlich das wahrnehmen, was unseren inneren Mustern, Vorstellungen und Denken entspricht. Man könnte es auch extrem ausdrücken: wir suchen im Außen die Bestätigung für unsere innere Verfassung.

 

Das klingt jetzt nicht sehr optimistisch und es stellen sich mir zwei wesentliche Fragen dazu: Wie geschieht dann Entwicklung? und wollen wir den anderen Menschen und Wesen ihre Eigenständigkeit und das Handeln nach ihrer eigenen Intention absprechen, d.h. wie sieht es aus mit einer von uns unabhängigen Welt, von der wir noch nicht einmal alles wahrnehmen können?

 

Denken wir an Menschen aus unserem Umfeld, die gestorben sind, dann scheint die Welt davon unbeeindruckt weiter zu gehen, wie bisher. Uns selbst trifft es zwar, wenn jemand stirbt, der oder die uns nahestand, aber für unseren Chef, unsere Kunden und unsere Kollegen geht alles weiter wie bisher. Doch sind wir in der Begleitung eines sterbenden Menschen oder können dies aus der unmittelbaren Nähe mit erleben, öffnen sich uns Blicke in eine Welt, die noch viel größer und geheimnisvoller ist, als dies allgemein angenommen wird. Insofern folgt die Welt, die anderen Menschen und Wesen ihrem eigenen Weg. Doch wie kann sie dann Abbild unseres inneren Seins sein? Für mich hat dies zwei Aspekte: a) eben über die selektierte Wahrnehmung, wie oben schon erwähnt, und b) dass wir alle miteinander verbunden sind. Doch diese Verbindung können wir rational schwer erklären und die Annahme einer solch umfassenden Verbindung passt überhaupt nicht in unser geläufiges Weltbild. Man denke hier nur an die Theorie der morphogenetischen Felder von Rupert Sheldrake, die nicht in das (alte) wissenschaftliche Weltbild passen will.

 

Doch wie entsteht nun Entwicklung, wie lernen wir und wie können wir uns verändern? Wie wagen wir den Schritt über die Schwelle unserer gewohnten inneren Muster? Dafür gibt es m.E. viele Chancen und hier können wir wohl auch unterscheiden zwischen inneren und äußeren Impulsen. Wird unser Leid oder Schmerz zu groß, erkennen wir, es muss sich etwas ändern! Wir beginnen uns zu öffnen und nach Lösungen zu suchen. Das ist i.d.R. auch der Punkt, wo wir eine Therapie, ein Coaching oder eine andere Art der Unterstützung suchen. Doch wir können auch eine vollkommen neue Perspektive erleben und neue Handlungsmöglichkeiten entdecken, die unseren Horizont weiten und Entwicklung initiieren. Manchmal passiert dies in völlig überraschenden Situationen, in denen die alten, bewährten Handlungsmuster nicht mehr passen. Auch können verblüffende Umweltreaktionen unsere Selbstwahrnehmung verändern.

 

Die Wechselwirkung von Innen und Außen ist auch in The Work von Byron Katie zu sehen. In ihrem genialen Weg der meditativen Selbstreflexion geht sie von den Urteilen oder Vorwürfen aus, die wir anderen Menschen (Außen) gegenüber haben. Zum Beispiel: "Paul sollte mich verstehen" oder "Paul sollte mich wahrnehmen". In der letzten Phase von The Work werden diese Sätze dann umgekehrt in "Ich sollte mich verstehen" oder "Ich sollte mich wahrnehmen" und weiter in "Ich sollte Paul verstehen" oder "Ich sollte Paul wahrnehmen", bis hin zu "Paul sollte mich nicht verstehen" oder "Paul sollte mich nicht wahrnehmen". Wenn wir diese Umkehrungen machen geht es darum zu erleben, wie dies auf uns wirkt und wir erkennen die darin steckenden wertvollen Hinweise. (Hier kommt mir auch wieder in den Sinn, was ich an anderer Stelle über die Selbstliebe geschrieben hatte - Beitrag Spuren Juni 2016)

 

In der Aufstellungsarbeit nutzen wir diese Möglichkeiten der Entwicklung in mehrfacher Hinsicht. Indem wir unser Inneres, unser eigenes System ins Außen stellen, können wir dort überraschenden Situationen begegnen und neue Lösungswege direkt erleben. Die Repräsentanten weisen uns häufig auf die Umkehrung unserer Urteile hin oder korrigieren diese. Und in dieser "Experimentiersituation" fällt es uns auch leichter, mal aus dem Gewohnten heraus zu treten, die Schwelle ins "Neuland" zu überschreiten. Und als RepräsentantIn erleben wir in einer fremden Rolle ein für unseren Weg wichtiges Thema. Entwicklung geschieht hier vorsichtiger, distanzierter, aber gleichwohl eindrücklich und intensiv.

 

 

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