Hoffnung - November 2016 - Leben–Natur–Raum

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Die Hoffnung ist das Potential, welches uns die Kraft schenkt, etwas zu unternehmen, damit sich im Leben etwas zum Besseren wendet. In der Hoffnung gesund zu werden, gehen wir zum Arzt oder Therapeuten und folgen einem uns sinnvoll erscheinenden therapeutischen Weg.

 

Doch denke ich der Hoffnung nach, erscheint sie mir als zweischneidiges Schwert. Hoffnung ist auf Zukünftiges gerichtet, es ist die Erwartung, daß etwas Gewünschtes eintreffen wird. Damit geht schnell der Bezug zur Gegenwart verloren, was sich bis zur Ignoranz des gegenwärtigen Lebens mit all seinen Widrigkeiten und Möglichkeiten steigern kann.

 

Aus dieser Perspektive wird verständlich, daß das Wort "Hoffnung" seine etymologischen Wurzeln mit dem Wort "Wahn" gemeinsam hat. Indem wir uns an eine vorgestellte Erwartung klammern, schleicht sich still und heimlich das Gegenteil der Hoffnung in unser Sein: die Verzweiflung, Resignation und Depression. Es ist uns dann versagt, die positive Kraft der Hoffnung, im Sinne einer tragenden Zuversicht zu leben und zu erleben.

 

So gesehen ist Hoffnung wohl eine Gratwanderung zwischen Zuversicht und Resignation und trägt in sich eben beide Aspekte. Mir scheint hier die Demut eine gute Führung auf dem Weg der Hoffnung. Demut wird heute leider vielfach mißverstanden als Erniedrigung, wie es auch im Gebrauch von "demütigen" als verachtende Abschätzigkeit sich darstellt.

 

Doch Demut ist eigentlich eine positive Tugend, nämlich das Leben anzunehmen wie es ist, auch wenn es unser Verständnis und unser Empfinden übersteigt. Es ist die Fähigkeit im Hier und Jetzt zu leben, meint jedoch nicht, die Hände in den Schoss zu legen und nichts zu tun.

 

Demütiges Hoffen lässt uns handeln. Handeln in der Hoffnung, daß sich etwas zum Besseren wendet, im gleichzeitigen Wissen, daß wir oft aus der gegenwärtigen Perspektive nicht wissen, was eigentlich das Bessere ist.

 

Ich habe ein berührendes Zitat von Václav Hável gelesen, was dieses Bild der Hoffnung wunderbar in Worte fasst:

 

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, daß etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, daß etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."

 

Dies lässt sich gut auf die Aufstellungsarbeit übertragen, wo wir jeweils mit einem Anliegen beginnen, ohne zu wissen, wohin es uns führen wird. Haben wir zu sehr eine zuvor festgelegte Erwartung, behindern wir uns selbst, eine gute Lösung zu finden. Denn manches Mal oder besser gesagt meist, hat die Lösung ein anderes Gesicht, als wir es erwartet haben.

 

 

 

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