Selbst - Februar 2017 - Leben–Natur–Raum

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Wenn ich eine Aufstellung begleite, verwende ich als zentrale Figuren den Fokus und das Selbst. Der Fokus ist dieser Teil unseres alltäglichen Ich, der das aktuelle Thema beobachtet (fokussiert) und bewertet. Von diesem Ort her entstehen die meisten Impulse zum Handeln.

 

Das Selbst ist schon schwieriger zu fassen. Meist beschreibe ich es als unser inneres Wissen, unsere innere Weisheit, unsere Intuition, als die Stimme des Herzens. Doch ist das wirklich verständlich? Und was meint ein solches Selbst-Verständnis?

 

"Wer bin ich?" Diese Frage geht tiefer als nur unser Aussehen, Tun, Denken und Fühlen, sie fragt nach dem Wesentlichen unseres Menschseins. Es ist wohl auch eine Frage, die wir nicht abschließend beantworten können, denn ein Großteil unserer Persönlichkeit ist uns nicht bewusst und das was uns als einzigartiges Wesen ausmacht ist auch ständig in der Veränderung, in der Entwicklung. Mir scheint, als würden wir die Bewegungen des Selbst nur an den Wellen auf der Oberfläche unseres Bewußtseins wahrnehmen.

 

Gehe ich davon aus, daß das Selbst der Mittelpunkt, das Wesen unserer Persönlichkeit ist, dann ist es maßgeblich für unsere Identität als einmaliger Mensch. Diese Identität ist allerdings eine, die sich von innen her bildet. Es geht dann nicht mehr um die Äußerungen und Bewertungen unserer Mitmenschen. Auch unsere auf uns selbst bezogenen Deutungen der Reaktionen unserer Mitmenschen und unser Vergleich mit ihnen, ist eine von außen gebildete Identität, keine innere.

 

Als soziale Wesen sind wir immer in ein soziales System integriert, es geht nicht anders. Und insofern ist diese äußere Identität genauso wichtig und ein entscheidender Teil unserer Persönlichkeit. Vielleicht sind das die Grenzen unseres individuellen Systems, die Berührungsfläche zu unserer Umwelt in dessen Zentrum unser Selbst lebt.

 

Mit scheint es gibt zwei Wege der Selbsterkenntnis, der eine geht von außen nach innen und der andere von innen nach außen. Es sind unterschiedliche Wege und Prozesse.

 

Claus Scharmer beschreibt in seiner U-Theorie, wie sich am Ort des Presencing "zwei Selbste" begegnen. "Presencing" ist ein Kofferwort aus "present" und "sencing", "gegenwärtig" und "fühlen". Es meint jenen Ort, jenen Moment, wo wir ganz im Hier und Jetzt weilen und das Mögliche und Zukünftige fühlen können. Dort begegnen sich das Selbst, das wir im Laufe unseres Lebens geworden sind und das Selbst unserer höchsten Möglichkeiten, was wir sein können (das Fühlen der Zukunft).

 

Das zeigt uns zwei Aspekte des Selbst, nämlich das Selbst, welches sich in unserer Biografie verändert und entwickelt hat. Und andererseits das Selbst, welches als Möglichkeit, als Ressource und innere Kraft gleichzeitig Weg und Ziel ist. Der Weg ist das Ziel. Auch hier wieder: beides ist eines. Das Selbst ist der Weg, den wir gegangen sind und der uns als zukünftige Möglichkeit offen steht.

 

Hier kommt mir der Satz des alten Derwisch aus dem Film Bab'Aziz in den Sinn: "Wer Vertrauen hat, findet seinen Weg." Die Weisheit des Selbst hat dieses Vertrauen, es ist in Einem Selbstvertrauen und Gottvertrauen. Aus diesem Grunde ist es mir wichtig das Selbst mit in den Aufstellungen dabei zu haben und wie oft zeigt es sich, daß es gerade um die (Wieder-)Verbindung mit dem eigenen Selbst geht.

 

In den Aufstellungen mit dem Selbst können wir den verschiedenen Aspekten des Selbst begegnen und sie sind immer ein Teil des Weges, den wir gehen. Aufstellungen sind wie Entscheidungsprozesse für unseren Weg an einer Verzweigung. Von außen kann nicht gesagt werden, welches der "richtige", der rechte Weg ist. Das Selbst weiß, welchen Weg es in dieser Situation, in diesem Kontext gehen möchte, um seine Möglichkeiten zu entwickeln: den direkten Weg, den Umweg oder denjenigen, den wir als Irrweg bezeichnen.

 

 

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