Kommunikation - Mai 2017 - Leben–Natur–Raum

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Wenn ich nach Kommunikation frage, finde ich zuerst die Herkunft des Wortes. Kommunikation und kommunizieren kommt aus dem Lateinischen von communicare "gemeinsam etwas tun, mitteilen". Der Ursprung "communis" bedeutet 1. sich verständigen, miteinander sprechen, 2. zusammenhängen, in Verbindung stehen und 3. das Abendmahl empfangen, zur Kommunion gehen.

 

Ich finde es spannend, diese drei Bedeutungen von communis miteinander in Verbindung zu bringen, um der Kommunikation näher zu kommen. Sprechen wir von Kommunikation, kommt uns als erstes das Gespräch in den Sinn. Wir sitzen z.B. im Café mit jemanden und unterhalten uns. Wenn wir an solch ein Treffen denken, sehen wir, daß nicht nur die gesprochenen Worte wichtig sind. Uns fallen die leuchtenden Augen und die Mimik unseres Gesprächspartners auf, oder auch sein Unbeteiligtsein. Auch das ist Kommunikation, nonverbale Kommunikation, die für uns sehr wichtig ist. Genauso spielt der Kontext eine wichtige Rolle. So kann es mir z.B. unangenehm sein, im Café über bestimmte Dinge zu sprechen, die mir unter vier Augen leichter fallen würden.

 

In einem solchen Gespräch beziehen wir uns auf unser Gegenüber, wir sprechen über Dinge, die uns beide interessieren, bzw. die uns beide betreffen. Wir stehen in Verbindung zueinander und unser Gespräch und Beisammensein schafft den Zusammenhang. Doch wir stehen auch in Verbindung zu unserer Umgebung, wie das genannte Beispiel zeigt, daß wir im Café nicht über alles sprechen können oder wollen. Wir beziehen uns nicht nur auf unseren Gesprächspartner, sondern auch auf unsere Umgebung, die anderen Menschen, den Raum usw. Jede unserer Bewegungen steht in Beziehung zum Raum, in dem wir uns befinden. So ist der Tanz für mich eine tiefe Kommunikation mit dem Raum. Wir können mit allem in Beziehung treten, mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit Tieren, mit einem Raum oder Ort, mit der Natur und vielem mehr. Hier zeigt sich uns nun auch die 3. Bedeutung von communis. Im Abendmahl stehen wir mit Gott in Verbindung. Hier lebt eine Beziehung auf, zu jenem, was über unser Menschsein hinausgeht und von uns nicht erfasst werden kann.

 

Doch können wir unseren Gesprächspartner im Café wirklich fassen? Ist es nicht vielmehr so, daß er unser Gesagtes auf der Basis seiner Erfahrungen, seiner Geschichte und seines Kontextes deutet? Und wir es mit seinen Äußerungen genauso machen? Vielleicht ist dies ein Sinn in der Darstellung, daß Jesus, Gottes Sohn, zu uns als Mensch kommt ... In allem, mit dem wir in Verbindung stehen, können wir diesem Großen und Unfassbaren begegnen. Die verschiedenen Religionen haben das je auf ihre Weise zu ausgedrückt.

 

Die Systemischen Strukturaufstellungen werden von ihren Gründern Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd als transverbale Sprache verstanden, also auch eine Form der Kommunikation. In das Transverbale ist die verbale und nonverbale Kommunikation ebenso einbezogen, wie auch die Anordnung und Bewegung im Raum. Letzteres ist leicht verständlich, wenn wir nur daran denken, wie es uns geht, wenn sich jemand von uns abwendet. Was "neutral" nur als Bewegung im Raum gesehen werden kann, hat als Ausdruck und Wahrnehmung jedoch wesentlich mehr Bedeutung.

 

Aus diesem Blickwinkel können wir sagen, daß in der Aufstellungsarbeit neue Kommunikation entsteht. Es ist ein Experimentierfeld, in dem wir Kommunikation üben. Neue oder andere Kommunikation, als die bisher gewohnte. In diesem gemeinsamen Üben wandeln sich unsere Beziehungen, zu anderen, zu uns selbst und zur Welt. Die Zusammenhänge erneuern sich und auch das Göttliche - oder wie auch immer man es nennen möchte - scheint auf. Und dies gilt nicht nur für die Menschen, die für sich eine Aufstellung machen, sondern in gleichem Mass für die teilnehmenden RepräsentantInnen.

 

 

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