Konstruktivismus - Juni 2017 - Leben–Natur–Raum

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Eine wesentliche Grundlage für die Systemischen Strukturaufstellungen ist der Konstruktivismus, den ich schon immer wieder mal erwähnt hatte. Er geht davon aus, dass all unser Erkennen geprägt ist von unserer individuellen Selektion der Wahrnehmung und von unserer Verknüpfung mit Bedeutungen. Diese bilden sich auf der Basis unseres kulturellen Hintergrunds, unserer Biografie und unseres Erlebens. Das heißt letztlich, wir „konstruieren“ uns jeder seine eigene Welt. Doch welche Folgen hat das konkret?

Auf der einen Seite verlieren wir damit jede Verlässlichkeit des Wissens, denn was ich weiß, ist mein Konstrukt, meine Auswahl, Bedeutung und Verbindung von Informationen, die wiederum dasselbe von anderen sind. In Gemeinschaften gibt es gemeinsame Konstrukte, die die jeweilige Kultur befruchten. Doch wenn uns das mehr oder weniger bewusst ist, dass all unser Wissen, unsere Vorstellungen und vielleicht sogar ein Teil unserer Gefühle eigene Kreationen sind, dann verlieren sie für uns ihre stabilisierende Wirkung. An was können wir uns dann noch halten? Im schlimmsten Fall endet dies in blindem Fanatismus.

Doch auf der anderen Seite öffnet uns diese Sicht auch ein Tor schier unbegrenzter Möglichkeiten. Wir können uns durchaus ein besseres Leben konstruieren. Wir können uns bestimmt ein glücklicheres Leben gestalten. Wir können den Ereignissen in unserem Leben eine andere Bedeutung geben, sie aus einer anderen und damit für uns besseren Perspektive sehen. Wir können mit schwierigen Zeiten in unserer Biografie Frieden schließen und können die Herausforderungen unseres Lebens als Ressourcen nehmen. All dies verändert nicht nur unser Konstrukt der (unserer) Welt, sondern hat auch entscheidenden Einfluss auf unser gegenwärtiges Leben.

Allerdings ist das nicht einfach nur ein Fingerschnippen, sondern manches Mal ein längerer und wohl auch schmerzlicher Wandlungsprozess. Schmerzlich, weil es es oftmals weh tut, liebgewonnene Gewohnheiten loszulassen, die uns im bisherigen verharren lassen. Und hier setzen die meisten systemischen Begleitungen und Therapien an, auch die Arbeit mit den systemischen Strukturaufstellungen.

 

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