Rollen - Identität - Systeme - August 2017 - Leben–Natur–Raum

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Wer kennt das nicht? Bei Freunden oder bei der Arbeit verhalten wir uns anders als z.B. in der Familie. Wir haben recht unterschiedliche Rollen und oft fragen wir uns, wie wir so verschieden sein können, obwohl wir uns selbst eher als einheitlich erleben. Oder wir fragen uns, wer wir denn wirklich sind, wenn wir solch unterschiedliche Menschen darstellen. Was hat es mit diesen Rollen auf sich?
In meiner Ursprungsfamilie bin ich in der Rolle des Sohnes, in meiner eigenen Familie in der Rolle des Vaters. Zwei sich unterscheidende Rollen, die nicht so recht zusammen passen wollen. Manchmal scheint es, als würde jemand das Verhalten des Vaters kopieren, um selbst als Vater dessen Sohn bleiben zu können. Aber wo bleibt da die Entwicklung?
Betrachte ich dies mit einem systemischen Blick, sehe ich, wie ich gleichzeitig Teil verschiedener Systeme bin und auch in mir selbst einen Komplex verschiedener Systeme wahrnehme. Im genannten Beispiel bin ich Teil des Systems meiner Herkunftsfamilie, Teil des Systems meiner eigenen Familie und natürlich auch Teil anderer lebender Systeme wie des Unternehmens in dem ich arbeite, dem Kreis meiner Freunde und vieler anderer sozialen Systeme. In mir, oder vielleicht mit mir trage ich das organische System meines Körpers, mein psychisches System, mein emotionales System und auch mein spirituelles System. Und manche dieser vielfältigen Systeme haben nicht viel miteinander zu tun, andere, wie z.B. Körper und Psyche, sind eng mit einander verbunden. Wenn ich diese „inneren“ Systeme als meine Subsysteme bezeichnen möchte, dann bin ich als einzigartiger und vielschichtiger Mensch vielleicht das übergreifende und alles einschließende System. Entsprechend bin ich als Mensch Subsystem des Systems der Gesellschaft, der Kultur oder gar der Menschheit.
Was bedeutet dies nun für unser Leben und unsere Möglichkeiten? Wir können erkennen und erleben, dass wir als Menschen doch ein so großes Spektrum an Ressourcen haben, können wahrnehmen, dass für uns viel mehr machbar ist, als wir in der Regel annehmen und für möglich halten. Das macht Mut – Mut zur Entwicklung.
Andererseits ist offensichtlich, dass unser Verhalten, ja häufig sogar das Denken und Fühlen, vom gerade aktiven System mit erschaffen wird. Meine Kinder z.B. erwarten von mir meine Vaterrolle und fordern diese ein.
Und schließlich haben wir auch eine große Chance der Veränderung und Entwicklung. Wenn wir bedenken, dass eine kleine Veränderung in einem System bewirkt, dass sich das ganze System und mit ihm auch die verbundenen Systeme verändern. Das kennt jeder im Kleinen: mit einem Magen-Darm-Infekt verändert sich unser gesamter Zustand: körperlich, psychisch, emotional und sozial. Doch das Gleiche gilt auch im Großen. Wir allen kennen die Witze, wo der Chef eines großen Unternehmens zu Hause unter dem Pantoffel seiner Frau steht. Das gibt es in vielen Variationen wirklich, und nehmen wir an, das Unternehmen wird sehr streng kontrollierend geführt, mit einem militärischen Führungsstil. Nun kann es zu einer Ehekrise kommen, weil die Frau z.B. lieber gemeinsam entscheiden möchte und den kreativen Auseinandersetzungsprozess sehr schätzt. Angenommen die beiden meistern diese Situation und finden zu einer neuen Form des Zusammenlebens und werden glücklicher damit. Dann ist es sehr gut möglich, dass sich das Führungsverhalten des Chefs ebenso verändert, er mehr Selbstverantwortung und Kreativität fördert und er so die Firma zukunftsfähig macht.
Was ist die Identität einer Person? Das Wort Identität kommt vom lateinischen „identitas“, der Gleichheit, der Übereinstimmung. Somit stellt Identität wohl die Erfahrung von Ausgeglichenheit zwischen den verschiedenen Systemen dar. Entstehen Dissonanzen zwischen den verschiedenen Systemen in die wir eingeschlossen bin, dann geht es uns nicht mehr gut und wir fragen uns: wer
bin ich und was mache ich? Darum geht es in der Aufstellungsarbeit. Dort arbeiten wir mit diesen Systemen und können Unstimmigkeiten und Spannungen auflösen. Und wir können uns auch als Repräsentanten in den verschiedenen Systemen erleben, z.B. als Vater oder Sohn, als Mutter oder
Tochter, als Chef oder Angestellter, als Freund oder Partnerin, usw. Genau das ist das Wertvolle, wenn wir als Repräsentanten in einer Aufstellung beteiligt sind.

 

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