Zuversicht - September 2017 - Leben–Natur–Raum

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Schon erlebt? Man steht vor einer schwierigen Herausforderung, die bewährten Handlungsmöglichkeiten passen nicht, es sollen neue Wege beschritten werden. Und jetzt kommen die Zweifel: Werde ich es schaffen? Kommt es gut? Was passiert, wenn es schief geht? Woher weiß ich, dass es der richtige Weg ist? Das kann alle Lebensbereiche treffen, die Arbeitsstelle, die Partnerschaft, die Familie, die eigene Entwicklung u.a.m.
Und dann hören wir, dass wir unsere Wirklichkeit – und auch unsere Zukunft selbst erschaffen. Da möchten wir natürlich keinen Fehler machen, denn wir alle wünschen uns eine gute Zukunft. Das bringt uns in ein Dilemma. Wir stehen an einer Wegkreuzung, ohne abschätzen zu können, wohin die Wege führen. Und doch müssen wir uns für einen der Wege entscheiden, wohl wissend, dass dieser gewählte Weg unsere Zukunft, unser Leben bestimmen wird.
Zuversicht ist die Ressource, die uns entscheiden lässt. Zuversicht meint Vertrauen. Vertrauen darauf, dass der Weg, den wir wählen, letztlich zum Guten führt. Zuversicht meint Vertrauen, dass der gewählte Weg unser Lebensweg ist, ganz gleich, welche Hindernisse und Schwierigkeiten uns begegnen.
Früher war dies ein bedeutender Teil der Religionen und hieß im christlichen Kontext Gottvertrauen. Doch ich habe den Eindruck, dass hier vieles durch Missbrauch zerbrochen ist. Nun haben wir Mühe, wieder zu diesem Vertrauen zu finden. Unser Misstrauen scheint sehr groß.
Der systemische und lösungsorientierte Ansatz lebt jedoch heute gerade diese Zuversicht und lässt sie uns auf eine neue Weise wieder erleben. Zum Beispiel in einer Aufstellung: Anfangs wird ein Anliegen formuliert, meist als Problem. Schon hier gilt, ein Problem ist eine noch nicht gefundene Lösung. Das ist ein großer Unterschied, ob man ein Problem als Unvermögen, Ausweglosigkeit oder gar als Schicksal versteht, oder ob man darin die noch nicht gefundene Lösung zu sehen bemüht ist.
Dann beginnt die Aufstellung und keiner weiß, wohin sie führt und welchen Weg sie nimmt. Und dies Nichtwissen ist eine wichtige Stärke der Aufstellungsarbeit, denn so hat „das System“ die Chance, seine eigene, ganz individuelle Lösung zu finden. Das ist damit gemeint, wenn wir davon sprechen, dass jeder Mensch für sich selbst der beste Experte ist. Auch hier ist der Weg – der einem manches Mal als „Umweg“ scheint – wesentlicher Teil der Lösung. Und jede Lösung ist wie ein Meilenstein auf unserem Weg, die einen gemeisterten Abschnitt markiert und uns weiter schickt. Und für die teilnehmenden Repräsentanten, sind die Aufstellungen wie Bildstöcke (schweizerisch Helgenstöckli) auf dem Weg, die uns Gesicht sind, das heißt, die uns etwas zeigen, wo uns etwas in Sicht kommt … auch eine Form der Zuversicht.

 

 

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