Wunde November 2017 - Leben–Natur–Raum

Möchten Sie meinen Newsletter erhalten?

 

Wir alle tragen Wunden, verheilte, vernarbte und nicht verheilte. Die biblische Erzählung vom ungläubigen Thomas macht deutlich, dass Wunden zum Leben gehören. Gewiss ist diese Erzählung vielschichtiger und geht für viele in erster Linie um den Glauben. Doch hier möchte Thomas die Wunden Jesu sehen und fühlen, als Zeichen seines (auferstandenen) Menschseins mit den Zeichen seiner erfahrenen Leiden. Sonst könnte es doch auch ein Geist, eine Halluzination oder eine Fata Morgana sein, was sich da zeigt. Das Menschsein Jesu ist ebenso Zeichen für das Göttliche in jedem Menschen, in Thomas.

 

Wunde heißt im Griechischen Trauma und stellt so - im heutigen Sprachgebrauch - den Bezug zu den psychischen und seelischen Wunden dar, die zunächst nicht sichtbar sind. Jesu sagt zu Thomas: „Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Wie gehen wir mit den Traumata der Menschen um? Was wollen wir sehen und was glauben wir? Und wie oft sehen wir selbst unsere eigenen erlittenen Traumata nicht? 

 

Die Wundmale Christi werden Stigmata genannt. Das griechische Wort Stigma bedeutet Stich, Zeichen, Wundmal und ist quasi Zeichen der Wunden. Stigmatisation ist das Auftreten der Wundmale Christi, wie z.B. beim heiligen Franziskus von Assisi. Stigmatisierung ist für uns heute, wenn Menschen über negativ bewertete Merkmale sozial diskriminiert werden. Auch dies sind Wunden und Grenzverletzungen. Es erinnert an eine andere biblische Erzählung, wo Jesu versucht wird, indem man ein Weib zu ihm bringt, welches beim Ehebruch ergriffen wurde und nach dem Gesetz gesteinigt werden sollte. Jesu spricht: „Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Diese Frau hatte geltende Normen verletzt, doch wer hat das Recht, andere der Sünde zu bezichtigen, wenn er nicht selbst ohne Sünde ist. Doch es gibt niemanden, der ohne Sünde wäre. In einem früheren Newsletter hatte ich schon einmal erwähnt, dass Sünde „Notstand des Seins“ bedeutet. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass Wunden und Grenzverletzungen Teil des Lebens sind und den Notstand des Seins ausmachen. Denn die andere Seite ist, dass Grenzverletzungen und Wunden auch zur Entwicklung beitragen. Oft sind es gerade die Wunden, die uns aufwecken einen nächsten Schritt zu tun. Oder wir müssen selbst unsere eigenen Grenzen durchbrechen und uns auf den Weg machen, nicht immer schmerzfrei. Wunden sind ein wesentlicher Teil des Lebens, als Zeichen unserer Verletzlichkeit und Sterblichkeit und als Zeichen unserer Entwicklungsmöglichkeiten. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.

 

 

Einen Kommentar verfassen

Als Gast kommentieren

0
Nutzungsbedingungen.
  • Keine Kommentare gefunden
Powered by Komento