Geschichten Dezember 2017 - Leben–Natur–Raum

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Wie entsteht Wirklichkeit? Und hier meine ich Wirklichkeit im Sinne von dem was wirkt. Sie wächst aus Geschichten. Geschichten, die wir hören und Geschichten, die wir anderen und uns selbst erzählen. Wir alle kennen das Phänomen, dass das gleiche Ereignis von verschiedenen beteiligten Personen unterschiedlich erzählt wird. Im Weitererzählen verändern sich von Mal zu Mal die Geschichten bis zur Unkenntlichkeit, wie im Spiel „Stille Post“.

Wenn wir etwas erleben, z.B. einen Jongleur nachmittags im Park, dann nehmen wir wahr, was uns besonders anspricht, z.B. sein athletischer Körperbau, die Geschmeidigkeit seiner Bewegungen, seine dunklen, begeisterten Augen, sein verrückter Hut, das Sonnenlicht auf den bunten Bällen, die Freude und das Lachen der zuschauenden Kinder oder wir sehen ihn vielleicht auch gar nicht und laufen vorbei. Das was uns anspricht steht in Resonanz zu uns, zu unserer Stimmung und Verfassung und zu „unserer“ Geschichte. Oder anders gesagt, es hat eine Bedeutung für uns. Diese Bedeutungsgebung und die daran geknüpften Erwartungen machen letztlich unsere Geschichte des Erlebten aus. So wird die eine vielleicht von einem bunten Tanz im abendlichen Sonnenlicht erzählen und die andere von der Freude der Kinder im Park.

Wohl jeder kennt es, dass man eine Geschichte hört oder einen Film sieht (dies ist eine besondere Form der Erzählung) und man ist berührt, es kommen die Tränen oder ein glückliches Lächeln. Die Resonanz zu der Geschichte kann sehr tief bewegen. Die Möglichkeiten und Chancen einer Geschichte stecken in der Vielfalt ihrer Resonanzen und in den aufscheinenden Variationen. Können wir unsere Geschichte auch anders erzählen? Was passiert, wenn wir kreativ die Geschichte anders gestalten, neu erzählen, Elemente und Perspektiven umstellen, weglassen oder hinzufügen? Auch unsere Vorstellungen unserer Probleme und Schwierigkeiten sind Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Verändern wir Bedeutungen und Erwartungen, entsteht eine neue Geschichte und auch umgekehrt, erzählen wir die Geschichte auf eine neue Weise, wandeln sich die Erwartungen, Resonanzen und Deutungen.  

Darin steckt eine große Chance für unser Leben, für unsere Entwicklung. Wir können spielerisch unsere Geschichte neu erfinden, einfach mal anders erzählen oder auch einfach mal zuhören, wie jemand anderes deine Geschichte erzählt. Das geschieht auch bei den Aufstellungen, wenn z.B. Repräsentanten ihre Position verändern, wenn wir von Repräsentanten ihre Wahrnehmung und Perspektive, ihre Gefühle und Deutungen erfahren, wenn wir selbst die Veränderungen erleben und fühlen, dann nimmt die Geschichte eine neue Wendung. Und die Repräsentanten erleben diese Geschichten mit, sind davon berührt und werden auf Eigenes hingewiesen.

 

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