Übergänge Januar 2018 - Leben–Natur–Raum

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Jetzt bin ich über den Berg“, sagen wir, wenn wir eine schwierige Zeit, eine herausfordernde Aufgabe oder eine belastende Krankheit überstanden und gemeistert haben. Der Berg ist ein passendes Bild dafür, da springt man nicht einfach mal so drüber, nein, da müssen wir uns anstrengen, in Serpentinen hochklettern. Und auf der anderen Seite geht es langsam wieder hinunter ins noch unbekannte Tal.

In der alten chinesischen Weisheitslehre gibt es die acht Trigramme, auf denen das Verständnis der traditionellen chinesischen Medizin, der Kosmologie, der Kampfkünste, der Kultur und des menschlichen Lebens und Zusammenlebens gründet. Eines davon ist
gěn und es beschreibt mit dem Berg das Thema des Übergangs. Dies Trigramm steht im Jahreslauf an der Schwelle der Wintersonnenwende, beim Jahreswechsel. In der Natur beginnt zwischen Winter und Frühling ein neuer Zyklus. Es ist der Übergang vom Leben zum Tod und vom Tod zum Leben, es ist die dunkle Zeit, wenn das Licht wieder geboren wird, die Zeit der Stille und des Innehaltens. Als Bild hat es den Berg und das Tor.

Das Innehalten im Moment des Übergangs steht für die Achtsamkeit, mit der wir diesen Schritt im Leben machen. Wir bleiben vor der Tür kurz stehen, öffnen sie und werfen einen ersten Blick in die
neue Welt, die sich uns zeigt. Schreiten wir dann über die Schwelle und halten noch einmal inne in der Rückschau auf den Raum, die Zeit, die Welt, die wir verlassen. Passend dazu hörte ich von Ulrich Hossbach einen schönen Text von Lorenz Marti: „Die Tür, meine Lehrerin“.

Jeder Übergang fordert von uns Mut und Entschlossenheit, denn wenn wir den Schritt tun, heißt es noch nicht, dass wir erfolgreich sein werden. Immer beinhaltet er auch das Risiko zu scheitern. Den Schritt nicht zu gehen, scheint bequemer, doch was alles entdecken wir dann nicht, welche ungeahnten Möglichkeiten können wir nicht wahrnehmen. Hier ist das Risiko ein Stillstand in unserer Entwicklung. Eine Aufstellung ist auch immer die Gestaltung eines Übergangs, eines Übergangs von alten einschränkenden Mustern zu neuen, auch unvorhersehbaren Lebensmöglichkeiten.

 

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