Seele April 2018 - Leben–Natur–Raum

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 gerade haben wir Ostern gefeiert, das Fest Christi Auferstehung nach seinem leidvollen Tod. Sinnen wir der Auferstehung nach, stellt sich schnell die Frage nach der Seele. Auf vielen alten Darstellungen sehen wir, wie mit dem letzten Atem die Seele ausgehaucht wird. Anscheinend ist die Seele dasjenige, was über den Tod hinaus fortbesteht. Doch können wir das wissen?

Gewiss, es ist tröstlich, wenn mit unserem Tod nicht einfach alles zu Ende ist, aus und vorbei. Hinzu kommt ein Gefühl, das wohl jeder kennt: Ich nehme mich selbst wahr, als jemand, der so ist, wie ich bin, unabhängig von Krankheit, Alter und Tod, sozusagen einen inneren Kern, unser wahres Sein. Ist das die Seele?

 Es ist spannend, den Worten nachzuspüren. Der Begriff Seele kommt vom urgermanischen 'saiwalo' und bedeutet soviel wie 'die vom See stammende, zum See gehörige'. Es gab bei den alten Germanen die Vorstellung von bestimmten Seen, wo sich die Seelen vor der Geburt und nach dem Tod aufhielten. Das heißt, in dem Wort Seele ist schon vom Ursprung her ihre Unsterblichkeit mitgegeben.

 Schauen wir in andere Sprachen, finden wir z.B. das griechische 'psyche' oder 'anima', die beide mit Seele übersetzt werden, doch ursprünglich Atem, Lufthauch bedeuten. Dagegen werden 'pneuma' und das lateinische 'spirit' eher mit Geist übersetzt, kommen aber auch beide von Atem, Lufthauch. Ich bin leider zu wenig Sprachwissenschaftler, um zu wissen in welch unterschiedlichen Zusammenhängen psyche, anima und pneuma verwendet wurden. Wichtig ist hier für mich jedoch das ursprüngliche Bild des Atems.

 Erinnern wir uns dann wieder an die alten Bilder, wo im Tod die Seele ausgehaucht wird, können wir dies auch so deuten, dass der Atem – als Zeichen des Lebendigen – diesen Menschen verlässt und damit auch dasjenige, was diesen Menschen als einzigartiges Wesen ausgemacht hat. Zurück bleibt lediglich ein lebloser Körper.

 Schauen wir ins alte China, dort gibt es den zentralen Begriff des Qi , ein Zeichen welches aus dem Atem, Lufthauch und dem Grundnahrungsmittel Reis zusammengesetzt ist. Es hat eine sehr vielschichtige Bedeutung und wird meist mit Lebensenergie übersetzt, eine Energie, die uns im Tod verlässt und deren behinderter Fluss zu allerlei Krankheiten und Beschwerden führt. (Wen das mehr interessiert, dem sei hier die Doktorarbeit von Manfred Kubny empfohlen, Qi – Lebenskraftkonzepte in China.)

 Ich weiß nicht, was die Seele ist. Natürlich habe auch ich eine Vorstellung davon, aber das ist mein Bild, das ich mir mache. Auch ich verstehe die Seele als Lebensenergie, wie unseren Atem, die möglichst frei fließen sollte, um unser Leben blühen zu lassen. Aus dieser Sicht ist die Aufstellungsarbeit eine Form der Seelsorge. Seelsorge im Sinne, dass dafür Sorge getragen wird, das unsere Lebensenergie fließt, der Atem frei strömt. Und diese Sorge trägt jeder für sich selbst, ich als Gastgeber biete den Raum und Rahmen für eine solche Seelsorge.

 

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