Wünsche Februar 2018  - Leben–Natur–Raum

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Vor zwei Jahren schrieb ich schon einmal zum Thema Wünsche. Nun versuche ich es erneut. „Wunsch“ ist das „Begehren“. In seinen etymologischen Wurzeln bedeutet es auch „das Vermögen außerordentliches zu schaffen“. So können wir den Wunsch als Motivation verstehen und wenn dies zum Handeln führt, transformiert sich der Wunsch zum Willen.

 Es gibt etliche Märchen, in denen Wünsche eine zentrale Rolle spielen. Das reicht von Verwünschungen, wie z.B. in Dornröschen und geht bis zu den Wünschen, die aufgrund eines Verdienstes gewährt werden, wie z.B. beim Fischer und seiner Frau, der den Fisch wieder frei lässt. Und immer wieder steht der Protagonist vor dem Dilemma, welches jetzt der richtige Wunsch ist. Auch der Fischer weiß es nicht und geht zum Nachdenken nach Hause. Das können wir gut nachfühlen, wenn wir uns vorstellen, wir hätten einen Wunsch frei. Wie schnell ist etwas gewünscht, was wir gar nicht wollen! Was ist wirklich wichtig? Wonach sehnt sich unser Herz?

Epikur, ein früher griechischer Philosoph, unterschied drei Arten von Wünschen:

  • natürliche und notwendige Wünsche, wie z.B. Essen, Trinken, Unterkunft und Kleidung.
  • natürliche und nicht notwendige Wünsche, die uns erfreuen. Dies sind all die kulturellen Schöpfungen des Menschen, wie Kunst, Musik, Literatur, Sport und vieles mehr. Wenn wir z.B. Musik hören, die uns berührt, die Stimmung hebt und uns Ja sagen lässt zum Leben.
  • und schließlich nicht natürliche und nicht notwendige Wünsche, die durch Meinung entstehen. Diese Wünsche sollten nach Epikur niemals erfüllt werden. Typisches Beispiel dafür ist auch das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Diese meint (bildet sich ein), sie wäre erst glücklich, wenn sie alles hat, was möglich ist. Die Erfüllung eines Wunsches zieht gleich den Wunsch nach Neuem, Zusätzlichem oder Weiterem nach sich, weil die Erfüllung uns nicht wirklich erfüllt. Und die Metapher im Märchen ist da sehr deutlich, dass wir am Ende gar nichts heben und die Wünsche vertan sind.

Im Kleinen kennen wir das auch. Erzeugt die Flut der Werbung oder der Überfluss im Kaufhaus nicht viele Begehren, die überflüssig sind und uns nicht spürbar erfreuen. Und funktionieren nicht unsere Gesellschaft und ihre Form der Wirtschaft abhängig davon? Die Sehnsucht nach Überflüssigem und Unnötigem macht uns mit unseren natürlichen und notwendigen Wünschen erpressbar.

Schaue ich genauer hin, habe ich jedoch den Eindruck, dass es nicht so simpel ist, die Wünsche in diese drei Kategorien einzuteilen. Sind nicht die kulturellen Errungenschaften auch notwendig für ein menschliches Leben? Die frühesten Zeugnisse menschlichen Lebens zeugen von einer Kultur, die wohl zum Alltag gehörte und sich besonders bei Festen und der Ordnung des Jahres zeigen. Das beginnt bei den einfachen Kerbmustern auf der Keramik und geht bis zum den bunten Bildern in den Höhlen. Auch die Musik oder Spiele gehörten schon sehr früh zum menschlichen Leben. Ist die Kultur nicht auch notwendig für den Menschen, weil sein Leben eben nicht mit dem der Tiere vergleichen lässt.

Oder nehmen wir als ein anderes Beispiel den Wunsch geliebt zu werden. Ist die Liebe eine kulturelle Entwicklung oder ein natürliches und notwendiges Begehren? Ein Säugling stirbt ohne liebevolle Zuwendung, oder trägt großen Schaden davon. Als Erwachsene überleben wir ohne Liebe, und doch brauchen wir sie. Gewiss sind es unterschiedliche Verständnisse der Liebe, doch ich will hier alle Liebe einschließen, die Liebe zum Partner, zu den Kindern oder Geschwistern, die Liebe zum Nächsten oder zu Tätigkeiten oder kulturellen Ausdrucksformen. Wie oft ist gerade der Wunsch nach Liebe der Grund für Handlungen, die der Betrachter von Außen nur schwer verstehen kann.

Es scheint zudem, als gäbe es verdeckte Wünsche. Wünsche, die wir bewusst nicht kennen, die dennoch unser Leben leiten. Vielfach sind wir unzufrieden mit sich ständig wiederholenden Ereignissen. „Habe ich mir das gewünscht? Aber das wollte ich ganz bestimmt nicht!“, ist die Reaktion darauf.

Kennen wir unsere Wünsche, die uns motivieren und dem eigenen Leben eine Linie geben? In der Aufstellungsarbeit können wir diese Wünsche kennen lernen, sehen was uns innerlich führt. Und häufig machen wir die Erfahrung, dass es bei den „unerwünschten Ereignissen“ in erster Linie darum geht, Dinge zu sehen, die wir verdrängt haben, seien es verschüttete Anteile des Selbst, Fähigkeiten, die nicht gelebt werden oder selbst auferlegte Begrenzungen, die unser Leben nicht blühen lassen.

 

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