Zufriedenheit Juni 2018 - Leben–Natur–Raum

Möchten Sie meinen Newsletter erhalten?

 bei dem Stichwort „Zufriedenheit“ kommt mir das Märchen vom Fischer und seiner Frau in den Sinn. Der Fischer darf sich etwas wünschen, was sich erfüllt. Zunächst fällt es schwer, den richtigen Wunsch heraus zu finden. Doch ist er schließlich erfüllt, stellt sich keine Zufriedenheit ein, sondern eher das unzufriedene Gefühl, man hätte sich doch mehr wünschen können. Doch je größer der Wunsch, der erfüllt wird, desto größer die Unzufriedenheit. Das geht so lange, bis der Wunsch vertan ist und der Fischer und seine Frau wieder so armselig leben wie anfangs. Nur jetzt ist es noch schwerer zu ertragen, weil sie wissen und erlebt haben, dass auch anderes möglich war. Das haben sie sich mit ihrer Unzufriedenheit und Maßlosigkeit selbst vermasselt.
Zufrieden sein heißt, im Frieden sein mit ... Bin ich zufrieden? Wer kann diese Frage spontan und unverzüglich mit einem klaren Ja beantworten? Meistens werden wir sagen, mit jenem bin ich zufrieden, mit anderem nicht. Das zeigt die Relativität von Zufriedenheit. Relativ aber heißt, dass es in Beziehung steht zu etwas, zu jenem oder zu anderem.
Das Märchen vom Fischer und seiner Frau zeigt uns sehr schön, dass es nicht um die äußeren Dinge (Haus, Schloß, Palast) oder das Ansehen von anderen (Bürger, König, Kaiser, Papst) geht, sondern wie zufrieden wir mit uns selbst und unserem Leben sind. Es geht darum, im Frieden zu sein mit sich selbst und seinem Leben – und dann ändert es sich häufig auch im Außen. Doch dieses Leben beschert uns allerlei unterschiedlichste Erfahrungen, von tiefstem Leid bis zum höchsten Glück. Auf und Ab. Das Leid wollen wir am liebsten loswerden und nicht erleben, das Glück wollen wir für immer behalten. Doch das Leben ist Wandlung und Veränderung. Ein ewiges Werden und Vergehen, bis es selbst stirbt und anderem Leben Raum gibt. Das, denke ich, ist das Wesentliche, mit dem wir in Frieden kommen möchten. Zufrieden sein mit der Veränderung und der Vergänglichkeit des Lebens.
Denken wir wieder an die Relativität von Zufriedenheit, zeigt sie sich jetzt in einem anderen Licht. In Frage steht die Beziehung zu uns selbst und unserem Leben. Um das Gleiche geht es in der Aufstellungsarbeit. Dort stellen wir unser ureigenstes System, uns selbst auf, um Frieden mit uns zu finden. Wir können mit dieser Arbeit nur uns selbst wandeln, nie eine andere Person. Wenn andere Menschen dann auf eine andere Weise mit uns in Beziehung treten, dann weil wir in ihnen unserem Spiegelbild begegnen.

Einen Kommentar verfassen

Als Gast kommentieren

0
Nutzungsbedingungen.
  • Keine Kommentare gefunden
Powered by Komento