Rollen - September 2018 - Leben–Natur–Raum

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 Wir kennen das alle. Jeder von uns spielt Rollen, viele verschiedene, manchmal sich sogar widersprechende Rollen. Wir sind Tochter oder Sohn, Mutter oder Vater, (Ehe-)PartnerIn, ArbeitnehmerIn, UnternehmerIn, FreundIn und all die anderen Rollen aus unserem Arbeits- und Sozialleben.
Manchmal hat es den Anschein, als wären diese Rollen etwas Negatives, als würde der „wahre Mensch“ dahinter verborgen bleiben. Doch stimmt das wirklich? Was wäre denn der „wahre Mensch“?
Natürlich, wir wissen alle, dass ich selbst mehr bin, als nur Vater, als nur Handwerker, als nur Coach oder was auch immer. Die Rollen sind wie Kleider, die wir anziehen und wieder ausziehen und die wir wechseln, je nach Anlass. Doch wo bin ich dann wirklich ich selbst?
Es scheint, als läge die Schwierigkeit woanders, z.B. in unserem Bedürfnis, als unverwechselbares Individuum gesehen zu werden, in der Abgrenzung und Andersartigkeit zu unserer Umwelt. Die Rollen werden uns aus der sozialen Gemeinschaft zugeschrieben, mit Erwartungen und Aufgaben, die zu dieser Rolle gehören. In meiner Ursprungsfamilie bin ich immer die Tochter oder der Sohn, verhalte mich dementsprechend und man begegnet mir so. Konflikte entstehen da, wo Rollen vermischt werden, z.B. wenn man sich in der Rolle des Arbeitnehmers verhält wie der verwöhnte Sohn, oder wenn man sich als Vater verhält, wie der Unternehmer.
Betrachte ich das Thema aus systemischer Sicht, dann zeigt sich mir ein Individuum, welches so in seine soziale Umwelt eingebunden ist, dass sein Dasein gleichzeitig etwas Eigenes, Einzigartiges und ein soziales Wesen ist. Mit sozialem Wesen meine ich die Art unserer Existenz, in der wir wesentlicher Teil einer sozialen Gemeinschaft sind. Das heißt, wir tragen mit unserer einmaligen Persönlichkeit zum Wohle der Gemeinschaft bei und die Gemeinschaft fördert meine persönliche Entwicklung. Eine fruchtbare Wechselwirkung.
Bei den Rollen, die wir „spielen“, geht es darum, uns in unserer Einzigartigkeit, mit unseren ganz speziellen Fähigkeiten und Kompetenzen in diese einzubringen, in der Rolle uns als der Mensch zu zeigen, der wir sind. So können wir zum Wohle aller beitragen. Spielen wir dagegen etwas, was wir nicht sind, hat die Rolle eine negative Wirkung für beide Seiten.
In der Aufstellungsarbeit übernehmen wir als Repräsentanten auch Rollen und können über die repräsentative Wahrnehmung, die Rolle eines anderen einnehmen. Dies zeigt zwei wesentliche Dinge: Einmal, wie die aufgestellte Struktur, das heißt, das soziale Gefüge, die Rollen verändern kann, wenn sich die Struktur ändert. Und zum Anderen, wie wir als Menschen miteinander in Verbindung sind, also nicht vereinzelt. In der Aufstellungsarbeit können wir lernen, in der jeweiligen Rolle, der Mensch zu sein, der wir sind.

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