Fehler - März 2019 - Leben–Natur–Raum

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 Wir haben die Angst vor Fehlern gelernt, zumindest wurde und wird das erwartet. Schon in der Schule waren (sind) Fehler Hindernisse am erfolgreichen Fortkommen. Wie haben wir uns gefühlt, wenn wir bei Mathematikaufgaben keine richtige Lösung finden konnten, weil wir zu viele Fehler machten? Ich habe den Eindruck, dass der Druck keinen Fehler zu machen, im Laufe der Zeit größer geworden ist.


Doch was es auf sich mit den Fehlern? Ist es nicht eine menschliche Eigenschaft, Fehler zu machen? Wir wissen, Fehler können verheerende Folgen haben, wenn davon z.B. etliche Menschenleben abhängen oder eine große Zerstörung die Folge ist. Wie oft lesen wir in der Zeitung von Unglücken, deren Ursache im „menschlichen Versagen“ lag. Das Wort „Unglück“ gibt uns einen wichtigen Hinweis: Der Fehler passierte, weil man kein Glück hatte. Das meint nicht, dass Fehler einfach nur auf fehlendes Glück zurückgeführt werden
können. Aber es zeigt, dass wir unser Handeln, unser Tun und unsere Aufmerksamkeit nur bedingt kontrollieren können.


Allerdings kennen wir inzwischen viele Umstände und Bedingungen, in denen die Fehlerquote steigt oder sinkt, in denen uns das Glück mehr oder weniger hold ist. Natürlich ist das individuell sehr unterschiedlich. Doch ein paar allgemeine Aspekte scheinen für alle zu gelten. Weniger Fehler machen wir, wenn es uns gut geht, wenn wir wach und entspannt sind, wenn wir uns konzentrieren können und mit Freude bei der Sache sind. Mehr Fehler machen wir, wenn wir unter Druck stehen und erschöpft sind, wenn wir Angst, Ärger, Sorgen und Kummer haben, wenn wir nicht bei der Sache sind. Daraus könnte man vielleicht sogar folgern, dass ein Mensch mit einem gesunden Selbstbewusstsein weniger Fehler macht, als jemand mit einem schwachen Selbstwertgefühl.


Und oft merken wir es bewusst gar nicht, dass wir nicht bei der Sache sind, dass uns etwas bedrückt, was unsere Fähigkeiten einschränkt. Das sind häufig Geschehnisse, die manchmal schon weit zurückliegen und die uns trotzdem noch belasten. Insofern können Fehler auch ein Hinweis sein, dass es da noch etwas gibt, dem wir unsere Aufmerksamkeit schenken sollten oder wo ein Thema noch auf eine Lösung wartet.


Fehler sind aber nicht nur negativ zu verstehen. Fehler sind notwendig für jede Entwicklung. Soweit ich mich erinnere, gab es in der Computerbranche eine große Firma, die ihren Mitarbeitern den Slogan vermittelte: „Macht mehr Fehler!“, und war sehr erfolgreich damit. Wenn wir in einer Weise handeln – und auch den Mut dazu haben -, die uns nicht das erhoffte Ergebnis, den gewünschten Erfolg bringt, können wir daraus lernen und beim nächsten Mal anders agieren. Fehler können unsere Kreativität fördern. Und manchmal brauchen wir etliche Versuche, um ans Ziel zu gelangen.


In der Aufstellungsarbeit haben wir die besondere Chance, in einem geschützten Rahmen Fehler machen zu können, die keine Folgen haben, uns aber dennoch das Ergebnis vor Augen halten. Wir können Reaktionen,  Handlungen und Erwartungen ausprobieren und bekommen sofort ein Feedback, welche Folgen dies haben kann. Dann können wir es gleich noch einmal probieren und mit dem Erleben einer erfolgreichen Handlung lernen wir. Die Lösung ist gefunden und wir haben einen Weg dorthin gelernt, und zwar mit den wichtigen „Fehlern“. Und zudem können wir in einer Aufstellung auch den Bedingungen der Fehlerhäufigkeit auf den Grund gehen und zu Lösungen finden.

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