Advent - Dezember 2018 - Leben–Natur–Raum

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 Advent heißt „Ankunft“. Wir alle kennen den Advent als Vorbereitung auf die anstehende Geburt Christi. Noch älter ist es die Zeit der Erwartung der Wintersonnenwende, wenn der „Tiefpunkt“ des Jahres erreicht ist. Das Licht wird neu geboren. Nicht umsonst wurde das Fest Christi Geburt in diese Zeit gelegt. Advent ist sozusagen Geburtsvorbereitung.
Gehen wir mal ganz pragmatisch in das Beispiel der Geburt, einer Geburt, die ansteht. Die Mutter und oft die ganze Familie bereiten sich auf die Geburt vor. Die Kleider für die ersten Tage werden parat gemacht, das Kinderbettchen oder die Wiege aufgestellt, frisch bezogen und vielleicht auch geschmückt. Wir wollen das Kind gut empfangen.
Und auch das Kind bereitet sich vor. In der Zeit vor der Geburt dreht es sich mit dem Kopf zum Becken der Mutter, damit die Geburt gelingt. Von all den anderen Vorbereitungen für diesen essentiellen Schritt haben wir nur Ahnungen.
Diese Zeit hat zwei Seiten. Das Willkommen heißen des Neuen und die Verabschiedung des Alten. Es ist ein Abschied für immer. Das Kind kann nicht mehr zurück in den Mutterleib. So ist es mit allem, was in die Vergangenheit rückt, das kann nicht wieder erlebt werden. Wir sind in dieser dunkler werdenden Zeit nachdenklicher und sinnen unserem Lebensweg nach. Was war – gut und schlecht? Und was wird sein? Können wir uns freuen auf das Unbekannte, auf das Neue, auf das Fremde? Jetzt haben alle Vorausschauen Hochkonjunktur, ganz gleich, wie diese zustande kommen.
Ganz am Anfang unseres Lebens macht jeder von uns schon diese wichtige Erfahrung. Wir müssen die Geborgenheit des Mutterleibs verlassen und werden hinaus geworfen in eine fremde Welt. Plötzlich ist alles anders. Daran erinnert Advent. Es steht ein neues Jahr, ein neuer Lebenszyklus bevor, der uns noch völlig fremd ist. Dies Fremde birgt viele Überraschungen und Geschenke, doch auch viele Unwägbarkeiten und Bedrohungen.
Advent ist die Ankunft in der Fremde und der Abschied von Gewohntem, der Schritt über die Schwelle. Wird ein Kind geboren, heißen wir es willkommen. Die Taufe ist z.B. ein solches Willkommensritual, doch es gibt noch etliche andere Rituale und Feste. Wir feiern bald Weihnachten, auch ein Ritual, das Licht oder Jesu willkommen zu heißen.
Und was ist mit all den Flüchtlingen überall auf der Welt, die sich auf den Weg in die Fremde gemacht haben? Können wir sie willkommen heißen? Oder werden wir von der Angst geplagt, zu verlieren, was wir meinen zu besitzen oder erreicht zu haben? Und wie bereiten wir uns vor? Da wird ein Kind geboren, ein neuer Mensch zieht ein in unsere Welt. Auch wenn es „unser“ Kind ist, ist es doch ein ganz eigenes, individuelles und einzigartiges Wesen, das uns fremd ist. Bei uns zieht das Fremdsein ein. Wir wollen uns öffnen und es beschützen, damit es gedeihen kann.
Auch für das neue Jahr, für das kommende Licht, für die Schwelle können wir uns vorbereiten, indem wir zurücklassen, was wir nicht mit hinüber nehmen wollen, indem wir Frieden schließen mit alten Geschichten, die uns bedrücken, indem wir einen Raum öffnen, das Neue zu empfangen.
道 可 道, 非 常 道. Dào kě dào, fēi cháng dào. „Weg – möglicher Weg, ist nicht gängiger Weg.“ Auch dieser erste Satz des DaoDeJing von Laozi weist darauf hin. Der mögliche Weg, der Dir mögliche Weg, Dein Weg ist nicht der gängige, den schon viele andere gegangen sind, der vorgezeichnete, der übliche, der erwartete Weg. Die Möglichkeit ist etwas Unbestimmtes und Fremdes. Wollen wir diesen Weg beschreiten, scheint es wie der holprige Weg querfeldein, im Gegensatz zur asphaltierten Straße.
Welchen Weg willst Du gehen? Was lässt Dich auf dem Weg stolpern? Was hilft Dir auf dem Weg? Was macht die/das Fremde mit Dir? Was macht Dir Freude? Und auf noch viel mehr Fragen kann in der Aufstellungssarbeit eine ganz eigene Lösung und Antwort gefunden werden. Ihr seid herzlich dazu eingeladen.

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