Schönheit - Februar 2019 - Leben–Natur–Raum

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Was ist Schönheit? Wie oft bezeichnen wir Dinge, Pflanzen, Tiere oder Menschen als schön, oder Musikstücke, die wir hören, Erlebnisse, die uns berühren und vieles anderes mehr. Doch was ist damit gemeint?

Schönheit kommt vom gleichen Wortstamm wie schauen, achten und merken, merken im Sinne von be-merken und auf-merken. Schönheit hat etwas mit unserer Wahrnehmung zu tun und ist zunächst einmal das, was uns aufmerken lässt, was uns auffällt, weil es sich abhebt von dem Gewohnten. So können sich sogar hässliche Dinge in einer schönen Weise zeigen, wenn wir z.B. nur die Perspektive wechseln. Schön ist etwas, das wir achten. Es geht über das be-achten hinaus, weil wir dem Wahrgenommenen unsere Wertschätzung zollen.

So gesehen ist Schönheit etwas sehr persönliches, abhängig von der jeweils eigenen Wahrnehmung und Perspektive, dem individuellen Wertekomplex und dem einzigartigen Erfahrungshintergrund. Aber ist das wirklich so?

Jahrhunderte lang bemühten sich Künstler aller Bereiche darum, Merkmale des Schönen heraus zu finden und zu formulieren, seien dies z.B. der Goldene Schnitt oder die Harmonielehre in der Musik. Und jede Kulturepoche hatte seine eigenen Vorstellungen, die das Schaffen der Künstler und das Wahrnehmen der Menschen beeinflussten. Selbst heute, wo uns eine große Beliebigkeit umgibt und die Massenmedien versuchen, Schönheit zu definieren, gelten viele der alten Merkmale noch immer, auch wenn sie nicht bewusst sind. Das, was uns in den Medien als „schön“ vorgestellt wird und was den Menschen in den sozialen Netzwerken Stress bereitet, hat wohl mehr mit profitorientiertem Marketing zu tun, als mit Schönheit.

Ich denke, dass beides eine Rolle spielt, wenn wir der Schönheit nachdenken: Einmal das ganz individuelle Empfinden, welches eine wichtige Basis in unserer Sozialisation hat und auf der anderen Seite, gewisse „allgemeingültige Merkmale“, die uns alle berühren. Schönheit hat viel mit Resonanz zu tun, mit Resonanz auf mehreren Ebenen. Nehmen wir als Beispiel den Goldenen Schnitt, eine Proportion aus einer stetigen Teilung, die überall in der Natur beobachtet werden kann. Auch unser Körper ist nach diesen Proportionen gebildet. Viele Kunstwerke,  Kultgegenstande und Werkzeuge aus allen Kulturen hat der Mensch – wohl meist intuitiv – nach diesen Verhältnissen gestaltet. Auch Corbusier greift in der Architektur mit seinen Modulor auf den Goldenen Schnitt zurück. Hier begegnen wir einer großen Resonanz. Und doch gibt es auch vieles, was wir als schön empfinden, was uns auf einer tiefen Ebene berührt und was wir nicht unbedingt mit anderen teilen können.

In der Schönheit begegnen wir uns selbst, sie zeigt uns einen (schönen) Aspekt unseres eigenen Wesens. Das Schöne in uns steht in Resonanz mit dem Schönen, das wir im Außen wahrnehmen. Besinnen wir uns auf den Anfang, dann ist das Erkennen einer Schönheit auch eine Wertschätzung, eine Wertschätzung des Schönen und damit gleichzeitig von uns selbst. Unseren
Selbstwert stärken wir mit dem, was wir als schön erleben. In Aufstellungen können wir dem Schönen in uns sichtbar begegnen und unseren Selbstwert stärken.

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